Nichtlineare Dynamik, Chaos, Fraktale, Gesamtheiten von Zufallsmatrizen (Zufallsmatrizen-Theorie). Die wichtigsten sind das Gausssche orthogonale Ensemble (GOE), das Gausssche unitäre Ensemble (GUE), sowie das Gausssche symplektische Ensemble (GSE). Die Theorie der Zufallsmatrizen wurde ab Mitte der 50er Jahre vor allem von E.P. Wigner vorangetrieben, um die statistischen Eigenschaften der komplexen Energieniveau-Struktur von schweren Kernen zu erklären. Seit etwa 1980 fand diese Theorie im Zusammenhang mit Fragen des Quantenchaos erneutes Interesse, da klassisch chaotische Quantensysteme die einfachsten Systeme bereitstellen, die den Gesetzmässigkeiten der Theorie der Zufallsmatrizen gehorchen. Die grundlegende Idee besteht darin, die Matrixelemente des Hamilton-Operators (Matrix H) als gaussverteilte Zufallszahlen anzunehmen und dabei nur den raum-zeitlichen Symmetrieeigenschaften des Problems Rechnung zu tragen. Das einfachste Ensemble, das GOE, besteht aus reellen, symmetrischen N ´ N-Matrizen und ist dadurch definiert, dass die Gesamtheit unter beliebigen orthogonalen Transformationen H¢ = OTHO mit einer orthogonalen Matrix O invariant bleibt. Dies bedeutet, dass für die Wahrscheinlichkeit P(H)dH, eine Matrix im Volumenelement zu finden, gilt, dass P(H)dH = P(H¢)dH¢. Zusätzlich verlangt man, dass die Matrixelemente unabhängige Zufallsvariable sind. Daraus folgt, dass die Matrixelemente Hij gaussverteilt sind mit Mittelwert null und Varianz . Von Interesse sind statistische Eigenschaften der Energieniveaus, also der Eigenwerte von H, wie z.B. die gemittelte Energieniveau-Dichte . r(E)dE ist die Anzahl der Niveaus im Intervall [E, E + dE], wobei òr(E)dE = N gilt. Für das GOE und für grosse N findet man das Wignersche Halbkreis-Gesetz, welches besagt, dass nur für E2 < 4Ns2 von null verschieden ist mit .
Eine weitere wichtige Grösse, die die Fluktuationen in den
Energieniveaus erfasst, ist die Abstandsverteilung der Niveaus p(s). p(s)ds ist die
Wahrscheinlichkeit dafür, dass in dem Ensemble (oder auch in einer genügend
grossen Matrix H) zwei benachbarte Niveaus einen
Abstand im Intervall [s, s
+ ds] haben. Für das GOE erhält man für N = 2 als exaktes Resultat die sog. Wigner-Verteilung (auch
Wignersche Vermutung) mit dem mittleren
Niveau-Abstand D. Das entsprechende Resultat für
grosse N kann nicht in einfacher Form geschrieben
werden, doch ist die Wigner-Verteilung auch für diese Fälle eine sehr gute
Approximation. Von Interesse ist insbesondere der lineare Anstieg für kleine
Abstände s, der auch für N
¥ korrekt ist. Er bedeutet, dass sich die Energieniveaus
abstossen. Dieses Verhalten wurde experimentell in Atomkernspektren, aber auch
in klassisch stark chaotischen Quantensystemen, wie dem quantisierten
Bunimowitsch-Stadion oder dem Sinai-Billard gefunden (Quantenchaos).
Die Beschränkung auf reelle symmetrische Matrizen im GOE ist
durch Rotations- und Zeitumkehrinvarianz begründet. Wird letztere gebrochen
(mit oder ohne Rotationsinvarianz), beispielsweise durch ein äusseres
Magnetfeld, so muss man Ensembles hermitescher, also komplexer Matrizen
betrachten, die unter unitären Transformationen invariant sind. Die Annahme
statistisch unabhängiger Matrixelemente führt in diesem Fall auf das Gausssche
unitäre Ensemble (GUE). Für zeitumkehrinvariante Systeme mit halbzahligem Spin,
die nicht rotationsinvariant sind, ist das Gausssche symplektische Ensemble
(GSE) massgeblich, bei dem die die Hamilton-Matrix hermitesch ist, aber aus
Quaternionen aufgebaut ist. Diese Matrixstruktur ist unter unitären
symplektischen Transformationen invariant. Für GUE und GSE findet man ebenfalls
Niveau-Abstossung, wobei p(s)
sich für kleine s wie sb
verhält, mit b = 2 für das GUE und b = 4 für das GSE. Die exakte
Abstandsverteilung p(s)
ist für die drei Gaussschen Ensembles für N = 2 in der
Abbildung dargestellt. Die Niveaudichte hat in allen Fällen die Halbkreisform,
mit der Ersetzung s2 s2b. [GR2]
Gausssche Ensembles: Die Niveau-Abstandsverteilung für die Gaussschen Ensembles GOE (b = 1), GUE (b = 2) und GSE (b = 4).
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