Energietechnik,
regenerierbare Energiequellen, Energieform, die als Folge von Fusionsprozessen
(Summenreaktion 4 1H
+ 2 e-
®
4He + 2 ne + 6 g) im Sonneninnern bei
Temperaturen von ca. 15 Mio K entsteht (Energieerzeugung der Sterne). Die auf
der Erde auftreffende Sonnenstrahlung ist Grundlage allen Lebens auf der Erde.
Die Sonnentemperatur fällt nach aussen hin dramatisch ab, die Photosphäre, aus
der die in das Weltall emittierte Strahlung stammt, befindet sich auf einer
Temperatur von ca. 5 800 K, bestimmbar aus dem extraterrestrischen
Sonnenspektrum, das sich näherungsweise als das eines schwarzen Körpers
beschreiben lässt. Die von diesem schwarzen Körper abgestrahlte Leistung P beträgt , was im
Abstand r von der Sonne zu einer Intensität I(r) = sT4 (RSonne / r)2
führt. Am Aussenrand der Erdatmosphäre beträgt die Intensität somit etwa 1 380 W
/ m2
(Solarkonstante). Bedingt durch Streu- und Absorptionsprozesse (Streuung,
Absorption) in der Atmosphäre sinkt die Intensität auf etwa 1 000 W / m2 bei senkrechtem
Sonneneinfall ab. Die gesamte auf die Kontinente einfallende Sonnenstrahlung
(ca. 1,2 ×
106 EJ)
entspricht etwa dem dreitausendfachen des derzeitigen Weltenergieverbrauchs
(380 EJ). Eine Nutzung dieses enormen Potentials kann auf direkte (thermische
oder elektrische Nutzung der Sonnenstrahlung) oder indirekte Weise (Nutzung von
Wasserkraft, Windenergie, Biomasse) erfolgen. Das derzeit technisch
realisierbare Potential der verschiedenen Sonnenenergietechniken liegt durchaus
im Bereich des derzeitigen Energieverbrauchs. So wird geschätzt, dass weltweit
aus Wasserkraft 15 000 TWh / a, aus Windkraft 53 000 TWh / a und aus
Photovoltaik bis zu 12 000 TWh / a (2 000 TWh / a in den Industrieländern)
erzeugt werden könnten, verglichen mit einer Weltbruttostromerzeugung von 12
200 TWh / a (Stand 1992). Bei der direkten thermischen Sonnenenergienutzung
unterscheidet man zwischen Niedertemperaturnutzung (< 100 °C) in flachen
Sonnenkollektoren zur Brauchwassererwärmung und Raumheizung,
Mitteltemperaturanwendungen (< 250 °C) zur Bereitstellung von Prozesswärme
bzw. -dampf, zur photochemischen Wasseraufbereitung sowie für solargetriebene
Absorptionskältemaschinen und Hochtemperaturanwendungen (bis zu mehreren
tausend °C) zur Stromerzeugung mit Hilfe eines Clausius-Rankine-Prozesses sowie
zur Materialforschung. Zur Erzeugung von Mitteltemperaturwärme werden entweder
Sonnenlichtkonzentratoren oder Vakuumkollektoren (Sonnenkollektor) eingesetzt.
Für die Hochtemperaturnutzung kommen je nach Anwendung Parabolrinnenkraftwerke,
Turmkraftwerke (Heliostat) oder Parabolschüsselsysteme zum Einsatz.
Parabolrinnensysteme haben sich in der kommerziellen Stromerzeugung in
Kalifornien erfolgreich bewährt; 9 Kraftwerke dieses Typs mit einer
Gesamtkapazität von 354 MWel
wurden dort zwischen 1984 und 1991 in der Mojave-Wüste installiert und
operieren mit einer Verfügbarkeit von 98 %. Eine direkte Umwandlung von
Sonnenstrahlung in elektrische Energie erfolgt mit Hilfe photovoltaischer
Zellen (Photovoltaik, Solarzelle); hierbei führt die Absorption des
Sonnenlichts in einem Halbleiter (typischerweise Silicium) zur Erzeugung eines
Elektron-Loch-Paares, die im inneren elektrischen Feld eines p-n-Übergangs
getrennt werden. Solarzellen haben grosse Bedeutung für die Stromerzeugung in
abgelegenen Gebieten, stellen jedoch eine wichtige Alternative für eine
zukünftige dezentrale Stromversorgung auch in Industrieländern dar.
Sonnenenergie 1: Sonnenspektrum am Aussenrand der Erdatmosphäre (2), auf Meereshöhe (3) und beiden Spektren überlagertes Schwarzkörperspektrum bei 5 800 K (1). Die Absorptionsbanden, die zur Schwächung des Sonnenlichts beitragen (hauptsächlich Wasserdampf, Sauerstoff, Ozon und Kohlendioxid), sind in der Graphik gekennzeichnet.
Sonnenenergie 2: Solarturmanlage an der National Solar Thermal Test Facility. (Sandia National Lab.)
Sonnenenergie 3: Parabolrinnenanlage. (Sandia National Lab.)
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