Kernphysik, Beschreibung der Nukleon-Nukleon-Wechselwirkung als Zweikörperkraft durch ein skalares Potential, das sich aus elastischer Nukleon-Nukleon-Streuung ableiten lässt. Die Nukleonen sind dazu als punktförmige strukturlose Objekte zu betrachten, die mit Spin und Isospin behaftet sind.
Ein phänomenologischer Ansatz des Nukleon-Nukleon-Potentials
wird aus allgemeinen Symmetrieüberlegungen abgeleitet, die aus den
Eigenschaften der starken Wechselwirkung folgen. Das Potential ist aus dem
relativen Abstand r zwischen den Nukleonen, dem
Relativimpuls, dem Gesamtdrehimpuls, und der relativen Ausrichtung der Spins
und der beiden Nukleonen als Skalar so zu konstruieren, dass es
translationsinvariant, rotationsinvariant und symmetrisch unter
Teilchenaustausch sowie invariant unter Galilei-Transformationen ist. Daraus
ergibt sich ein Gesamtpotential, das abhängig ist von einer reinen Zentralkraft
und einer Zentralkraft, die auf
Teilchenaustausch bezüglich des Spins beruht, der Bartlett-Kraft. Die weiteren
Komponenten bilden Potentiale nichtzentraler Kräfte, ebenfalls mit
Austauschcharakter: die Tensorkraft bzw. die geschwindigkeitsabhängige
Spin-Bahn-Kopplung. Beide wirken nicht in Spin-Singulettzuständen, letztere
auch nicht für L = 0-Zustände. Die Tensorkraft
trägt zur Mischung der Bahndrehimpulszustände bei. Die Spin-Bahn-Wechselwirkung
ist nicht wie in der Atomphysik eine Folge der magnetischen Wechselwirkung,
sondern beruht auf der starken Wechselwirkung. Ihre phänomenologische
Einführung war wesentlich für den Erfolg des Schalenmodells zur Beschreibung
von Kernzuständen.
Der phänomenologische Potentialansatz liefert weder Grössen
noch Radialabhängigkeiten der Terme. Sie können im Rahmen von
Mesonenaustausch-Theorien oder aus der Streuphasenanalyse der
Nukleon-Nukleon-Streuung ermittelt werden. Dies führt auf sog. realistische
Nukleon-Nukleon-Potentiale, die mit Sätzen von 30-50 Parametern Reichweite und
Stärke der einzelnen Terme für verschiedene Energien festlegen. Gebräuchlich
sind das Hamada-Johnston-Potential mit einem sog. »hard core« () für kleine
Abstände und das ansonsten annähernd identische Reid-Potential, das mit einem
zwar abstossenden, aber endlichen Yukawa-Potential (»soft core«) für kleine
Abstände ausgestattet ist.
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